Von Nicholas.
Teil I: Zwischen Illusion und Realität
Danke, oh du große, amerikanische Kaffeekette, die du mich an kalten und regnerischen Tagen wie diesem mit deinem warmen Trunk verköstigst. Die du mich wärmst – in guten, wie in schlechten Zeiten. Und mir das Gefühl gibst, dass sich auch an erfolglosen Tagen die Anfahrt doch irgendwie gelohnt haben mag. So wie heute.
Ein Tag, der einen nochmal wie mit einem Paukenschlag an seine Ideale und Ziele erinnert, während der Regen draußen sanft gegen die Scheibe klopft. Ein Tag, der einem Fragen stellt. Fragen, nach dem „Warum?“ und dem – nicht weniger bekannten – „Wieso?“. Der einem nochmal aufzeigt, wofür man das alles eigentlich mal auf sich nehmen wollte. Denn zugegebenermaßen habe ich mir das alles mal ganz anders vorgestellt...
Wir schreiben Ende Juli diesen Jahres. Eine drückende Hitze liegt über Heidelberg. Durch die Altstadt flanieren dutzende von Menschen, vollgepackt mit schweren Tüten, geziert mit Logos bekannter Modehäuser. Die Luft riecht förmlich nach einem anklingenden Sommerabend. Jeder Schritt wiegt schwer, jeder Atemzug braucht seine Zeit und in der Luft schwirren – im Saume des Lichts – ein paar Mücken umher. Ich stehe am Bismarckplatz und warte auf meine beste Freundin Ann-Kathrin, mit der ich mich auf einen Drink verabredet habe.Neben mir hält eine Straßenbahn. Ein ganzer Pulk von Menschen versucht einerseits aus-, andererseits einzusteigen. In einem flüchtigen Moment fällt mir ein Mädchen auf, das gerade ausgestiegen zu sein scheint. Den Blick auf sie fokussiert laufe ich ihr nach und warte bis sie an der Ampel stehen bleibt. Selten zuvor ist mir ein Mensch wegen seines guten Modegeschmacks ins Auge gestochen oder wert gewesen, dass ich ihm nachlaufe. Doch an diesem Mädchen ist einfach alles perfekt. Und ganz nebenbei erwähnt: hübsch ist sie auch noch! Die Ampel schaltet auf grün und sie spaziert ihres Weges. Ich bleibe mit offenem Mund zurück.
Ein paar Minuten später setzen sich meine beste Freundin und ich in das Straßencafé jener amerikanischen Kaffeekette. Die Leute ziehen an uns vorbei und während wir Smalltalk halten, blicke ich die ganze Zeit um mich, ob das Mädchen von vorhin womöglich nochmal an mir vorbeiläuft. Da vorne, ist sie das? Nein, das war sie nicht… Aber vielleicht die, die da gerade um die Ecke bie... „Hey, hörst du mir überhaupt zu?“ Erschrocken blicke ich Ann-Kathrin an. Zeit für eine Erklärung.
Nachdem ich ihr von diesem Zwischenfall erzählt habe, schmunzelt sie nur und meint: „Die wäre was für einen dieser Modeblogs. Hättest du nicht Lust sowas auch mal zu machen?“ Und meine beste Freundin hätte diesen Titel nicht verdient, wenn ich sie nicht für solche Sätze lieben würde. Denn mit dieser Frage war die Idee geboren. Die Idee, gemeinsam einen Fashionblog zu gründen. Getreu großer Vorbilder wie „Stil in Berlin“, oder „Styleclicker“: Auf die Straße gehen und Leute suchen, die einen außergewöhnlichen Stil haben! Einen Stil, der sich von der Masse abhebt. Mutig kombiniert, auf dem schmalen Grad zwischen „unpassend“ und „revolutionär“.
Wie schwer kann das schon sein, dachten wir uns. Einmal im Monat auf die Straße gehen, in ein paar Stunden 30 Leute fotografieren und schön zusehen, wie die Community wächst. So könnten wir vielleicht das Modebewusstsein in Heidelberg stärken und ein aktiver Teil der lokalen Branche werden! Und wer weiß: Meiner Fotografenkarriere würde das eventuell auch gut tun, wenn sich so mein Name rumspricht.
Ja, zugegebenermaßen habe ich mir das alles mal ganz anders vorgestellt. Wie die Wirklichkeit eines Fashionbloggers aussieht, was für tolle Bekanntschaften wir trotz allem gemacht haben und welche Begegnungen mit Menschen man auf der Straße macht, werde ich allmonatlich in dieser Kolumne erzählen. „Aus dem Leben eines Fashionbloggers“ eben.
Mittlerweile hat es auch endlich aufgehört zu regnen. Ich trinke meinen Chai Latte aus, packe meine Kamera und ziehe erneut in den Kampf. Danke für die Unterkunft, oh du amerikanische Kaffeekette. Ich komme wieder – ganz bestimmt!