Dienstag, 21. Dezember 2010

Au revoir, mon amie!

Aufruhr in der Modewelt: Carine Roitfeld verlässt nach zehn Jahren Arbeit den Chefsessel als Redakteurin der französischen „Vogue“. In den zehn Jahren vollführte sie nicht nur eine wunderbare Arbeit, sondern wurde zur Modeikone schlechthin. Der Schock sitzt tief. Das kann man auch in der Online-Community Facebook erkennen: Mode-begeisterte Mädels und Jungs schrieben hysterische Kommentare zu der Bekanntgabe ihres Rücktritts.
Roitfeld gestaltete die „Vogue“ erotischer und moderner als ihre Vorgängerin und wird von Designern wie Karl Lagerfeld und Jean-Paul Gaultier gefeiert. Sie gilt als immer stilsicherer Trendsetter und hat ein Gespür für neue, talentierte Designer. Ihren Rücktritt zum Januar 2011 begründete sie mit ihrem Wunsch an neuen Projekten zu arbeiten. Modekenner vermuten eine enge Zusammenarbeit mit Gucci-Kreativchef Tom Ford, mit dem sie auch ihre Karriere Mitte der 90er begann. Etwas Stichfestes ist jedoch nicht bekannt.

Unter ihrer Leitung hat die französische „Vogue“ Rekordergebnisse hinsichtlich Auflagen, Anzeigen und redaktioneller Qualität erzielt, so Jonathan Newhouse, Chairman von Condé Nast International.

Ich wünsche ihr dennoch alles Gute und viel Erfolg bei ihren neuen Projekten. Ich bin mir sicher, dass wir schon bald wieder in den Modezeitschriften von ihr lesen werden. Au revoir, mon amie.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Stil des Monats - Jan Andrew


Jan Andrew, Anglistik/Amerikanistik Student an der Uni Mannheim trägt einen Mantel der Marke Allsaints.  1994 wurde diese Marke in London von Stuart Trevor gegründet. Zunächst waren die Kollektionen mit Ready-to-wear Kleidungsstücke für Männer besetzt, danach folgten Modelinien für Damen und Accessoires wie Schuhe, Taschen und Schmuck. Die Marke konnte sich im Laufe der Jahre eine weltweite Fangemeinde aufbauen und im Jahr 2011 soll auch Deutschland mit einer Filiale in Berlin in Angriff genommen werden. 
Der Stil der Marke ist unverkennbar und für mich würdig ihn zum "Stil des Monats" zu kühren. Taschen und Schuhe sehen aus als kämen sie aus der Prärie, von der Ranch oder von der letzten Rockband-Tour. Der rockige Used-Look ist Markenzeichen und  der Stil ist außerdem ein gekonnter Mix aus Military, Western, Rock and Roll, Country und Musicians-look, der dem Träger eine Dominanz, Männlichkeit und Mysteriösität verleiht.

Montag, 13. Dezember 2010

Aus dem Leben eines Fashionbloggers

II – Der Tragödie erster Teil von Nicholas

„Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug, als wie zuvor“ – große Worte eines großen Meisters. Auch, wenn der gute Goethe zugegebenermaßen nur wenig mit mir gemein hat: Dieser Satz geht mir an jenem Tag andauernd durch den Kopf. Dieser Tag, der Tag nämlich, an dem wir zum ersten Mal Models suchen waren. „Models“ – wie das schon klingt. Und überhaupt: Was ist eigentlich 'Style' und wer hat genug von ihm, um es in den Blog zu schaffen? Ach, großer Goethe, wäre ich doch nur in diesem Belange ein wenig klüger...

Zwei Wochen, nachdem wir Aufbau und Konzept der Seite fertig gestellt hatten, wagten Annka und ich uns das erste Mal auf die Straße. Mannheim sollte es sein – wie schwer könnte das schon werden? Dürfte doch nicht allzu kompliziert sein, an einem Tag zwei Dutzend gut angezogener Leute zu treffen – dann hätten wir bei einem Update pro Tag quasi für einen Monat ausgesorgt gehabt. Und Studenten, denen man ja gemeinhin eine gewisse Modeaffinität nachsagt, gibt es in Mannheim wohl auch zur Genüge. Summa Summarum also klang das – zumindest in der Theorie – doch echt vielversprechend…

Doch da standen wir nun, wir armen Tore – wie Goethe schon sagte – erschlagen von der erdrückenden Realität. Wir hatten uns im Vorfeld nur ein Ziel gesetzt: Gut sollte es aussehen. Doch natürlich ist „gut“ Geschmackssache und Recht machen kann man es sowieso nicht allen. Wir suchten jedenfalls Leute, die ein Gespür für Farben und Formen besaßen und damit modisch umzugehen wussten. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, vom „Teil der Masse“ plötzlich zum selektierenden Medium zu werden; es lag nun schließlich in unserer Hand, wen wir auf der Seite haben wollten und wen nicht. Und hatten wir selbst überhaupt jenes Gespür? Durften wir uns dieses Recht denn überhaupt rausnehmen?

Und so liefen wir fragend einmal die Planken auf und ab, vom Wasserturm hoch zum Paradeplatz und wieder zurück. Was für uns von vornherein ein No-Go war, war der erdrückend einheitliche und daher stark uninspirierte Stil der neuzeitlichen Jugendbewegungen. Nicht, dass wir all diesen Menschen einen modischen Kombinationssinn, oder ein Gefühl für Formen und Farben absprachen, oder in klischeehaften Rastern dachten: Die Straßen waren einfach überfüllt von solchen jungen Menschen. Es ist schön für sie, dass sie einen Stil gefunden zu haben scheinen, in dem sie sich äußerlich repräsentieren und ausdrücken können. Aber etwas, das man zuhauf schon auf der Straße sieht, ist nicht mehr revolutionär und schon gar nicht mutig. Genau das Gegenteil unseres „Credos“, quasi.

Wir suchten mehr nach etwas Klassischem, kombiniert mit etwas Neuem, vielleicht noch eine Prise Gepflegtes mit dem nötigen Etwas. Und tatsächlich: nach zweistündigem Umherirren ein lauter Aufschrei. Dort, im Schuhgeschäft, schau ihn dir an! Ja, ich darf an dieser Stelle verraten: Annkas Augen funkelten. Wir hatten unser erstes Fashionmodel gefunden: Paul, Student an der Popakademie in Mannheim. Schicke, klassisch-anmutende Weste, gepaart mit einem aufreizenden Hemd, kombiniert mit einer farblich abgestimmten Hose und vollendet in mutigen Ledersandaletten. Ein Traum von einem Model!

Kurzerhand angesprochen, stieg Paul sogar sofort auf die Idee ein und ließ sich fotografieren. Was schön und gut war, denn nun hatten wir unser erstes Model im Kasten – man bedenke jedoch: nach zwei Stunden Suche! So manche im Vorfeld gemachte Illusion schien zu bröckeln. Zwar fanden wir an diesem Tag noch Patricia und Till – ebenfalls auf ihre Art ansprechend – doch, wenn man bedenkt, dass wir für diese drei Fashionmodels geschlagene vier Stunden unterwegs waren, wurde uns ziemlich schnell klar: Das wird ein hartes Stück Arbeit, was wir uns hier aufgebunden haben.

Denn eine Frage blieb auch am Ende des Tages ungeklärt: Was ist denn nun 'Style' und wer hat genug von ihm, um es in den Blog zu schaffen? Letzteres lässt sich jedenfalls schon mal beantworten: Nur die Wenigsten. Und das sage ich jetzt nicht von einem hohen Thron herab und spiele mich als Richter und Henker auf. So ist es nicht. Denn man bedenke eins: Im Grunde bin ich doch nur ein armer Tor und immer noch so klug, als wie zuvor. Danke, Goethe!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der Clown hat sich ausgelacht


Da ich überraschenderweise zwei Vip-Tickets gewonnen habe, hatte ich die Möglichkeit am Mittwoch zur Eröffnungs-Charity-Gala des Fashion Circus zu gehen. Die Erwartungen und die Vorfreuden waren groß, die Enttäuschung aber umso größer. Eine Panne nach der anderen folgte während des Eröffnungsevents und die Besucher verließen den Zirkus – im wahrsten Sinne des Wortes – früher als gedacht, sodass noch bevor die Catwalkshow zu Ende war, nur noch der Vip-Bereich gefüllt war. Meiner Meinung nach konnte es für die Veranstalter keine größere Pleite geben. Mein herzliches Beileid an dieser Stelle.
 Es waren weder Vips da, noch bekannte Namen aus der Mannheimer Gegend. Die Besucherzahl war gering und ohne warmen Wintermantel war man im Zirkuszelt verloren. Da kommt bei mir die Frage auf, warum sie extra einen Garderobenservice eröffnet haben? 
Der Veranstalter teilte mit, dass anscheinend ein paar LKWs mit Kleidungsstücken aufgrund des Schneechaos nicht rechtzeitig vor Ort sein könnten, sodass „ein paar“ Teile fehlen würden. Beim Besichtigen des Shopping-Bereichs war ich dann allerdings geschockt: Es war fast keine Kleidung vorhanden und wenn welche vorhanden war, dann war diese nicht mal ihr Geld wert… Petrus hat es mit dem Zirkus wohl nicht gut gemeint, könnte man jetzt sagen. Doch das war noch längst nicht die Krönung der Blamage.  
Kommen wir zum Lifewalk. Angesichts dessen, dass die Models hauptsächlich Tänzer waren (und diese nicht mal gute), war die Qualität des Lifewalks zum Wegschmeißen. Fremdschäm-Alarm im höchsten Maße. Obwohl ich auch ein Kompliment aussprechen kann, weil das Thema Zirkus mittels Gesichtsbemalung, Clowns usw. mehr oder weniger gut durchgeführt wurde, schien es, als ob die Choreographie noch am gleichen Tag wenige Stunden zuvor einstudiert worden wäre. Mehrere Models vertanzten sich: falscher Einsatz, Schritte in falsche Richtungen. Selbst ein Laie konnte erkennen, dass die Qualität heute keinen Ausgang hatte.  Nach der Lifeshow waren nur noch einzelne Personen anwesend und auch nach einem nochmaligen Durchgang durch den Shopping-Bereich musste ich traurig das Fazit ziehen:
Der Zirkus war eine Pleite und der Clown hat sich selbst ausgelacht.

Nach Berichten von Freunden wurde mir nachträglich erzählt, dass, obwohl versprochen worden war, dass insgesamt 50.000 Teile geliefert und jeden Tag neue Klamotten ausgestellt werden sollten, dies nicht der Fall war. Und am dritten Tag war anscheinend fast gar nichts mehr im Shopping-Bereich zu finden.
Klare Sache: Gute Idee, viel zu schlechte Ausführung. Der Zirkus wird Pleite gehen.